Geschichte

Speisewagen

Die Entwicklung der Reko-Speisewagen Gattung WRg/Wgr

Auf Grund des zu geringen Bestandes an Speisewagen bei der Mitropa und der ausgelasteten Fertigungskapazitäten im VEB Waggonbau Bautzen wurde das DR-eigene Werk (RAW) Halberstadt mit der Entwicklung eines Speisewagens beauftragt. Die Entwicklung erfolgte auf Grundlage der hier gefertigten Reko-Sitzwagen der Gattung Bghwe.

Bauserien:

Die Wagen wurden in zwei Bauserien zu insgesamt 50 Wagen gefertigt. Der erste Wagen wurde im Herbst 1973 vorgestellt. Auf Grund der guten Erfahrungen mit dem Einsatz der Sitzwagen entfiel eine besondere Erprobung.
Die erste Serie entstand 1973/74 mit 20 Wagen, die zweite 1975 mit 30 Wagen. Der äußere Unterschied sind die zwei zusätzlichen Fenster der zweiten Serie auf der Küchenseite hinter der Theke. Der Beschaffungspreis lag 1974 bei 310.065,00 M pro Wagen.

Technik:

Die Wagen laufen auf modifizierten Drehgestellen der Bauart Görlitz V mit einem Achsstand von 2,50m im Drehgestell. Der Laufkreisdurchmesser beträgt 1.000 mm. Die Bremsbauart ist KE-GPR mit dem Steuerventil KE-1c SL. Die Wagen besitzen eine Hauptluftleitung und eine Hauptluftbehälterleitung. Letztere ist notwendig, um die Wagen im Verband mit Rz-Wagen mit automatischer Türschließ-u. -blockiereinrichtung einsetzen zu können. Die Speisewagen besaßen diese allerdings nicht. Aus diesem Grund blieben beispielsweise die Türen der Städte-Express Speisewagen stets verschlossen. Die Handbremse befindet sich im Vorraum an der Speiseraumseite und wirkt auf beide Drehgestelle. Das Handbremsgewicht beträgt 21 t.
Die Wagen besitzen eine Dampfheizung und eine elektrische Konvektionsheizung. Beide Heizungen haben eine selbsttätige Regelung über Thermostate mit Quecksilberkontakt-Thermometern.
Die Lüftung erfolgt über acht mittig auf dem Dach sowie jeweils einem außermittig auf der Gangseite oberhalb des 7. Fensters sowie auf der Küchenseite oberhalb des (6.) Fensters angeordneten statischen Lüftern der Bauart Kuckuck.
Die Stromversorgung erfolgt durch zwei Drehstromgeneratoren Bauart 160.1/1 mit je 4,5 kW und nachgeschalteten Gleichrichtern für Parallelbetrieb. Bei Stillstand und niedrigen Geschwindigkeiten erfolgt die Stromversorgung aus zwei Blei-Batteriesätzen.
Die Wagen hatten bei Auslieferung eine zulässige V/max von 140 km/h und somit die Wagennummern 51 50 88-45 xxx-x. 1985/86 erfolgte auf Grund der fehlenden Notwendigkeit (die Streckenhöchstgeschwindigkeit im Netz der DR betrug 120 km/h) und zur Senkung des Instandhaltungsaufwands eine Herabsetzung der V/max auf 120 km/h, einhergehend damit die Umzeichnung in 51 50 88-15 xxx-x. Auch das Gattungsnebenzeichen "e" entfiel.

Städteexpress-Wagen

Auf Grund der Verfügbarkeit wurden die benötigten Speisewagen aus der im Jahr 1975 gebauten 2.Serie der WRg der Rekowagen-Familie rekrutiert.
Dazu erhielten die Wagen folgenden Anstrich:

Bau- / Wagenteil Farbe
Dach hellgrau (TGL 1808)
Fensterband elfenbein (TGL 0220)
unterer Wagenkasten / Längsträger / Stirnwand orange (TGL 0408)
Laufwerk schwarz (TGL 1010)
Anschriften im Bereich des Fensterbandes schwarz (TGL 1010)
Anschriften im Bereich der unteren Seitenwand / Langträger / Stirnwand hellelfenbein (TGL 0210)

Bedeutung der Wagennummer

Ziffer Bedeutung
1.-2. 51
3.-4. 50
5.-6. 88
7.-8. 45
15

Bedeutung der Gattung

Bedeutung
WR
g
e

Die Wagen 51 50 88-45 020-7 bis 031-4 wurden 1976 in orange/elfenbein umlackiert, die Wagen 88-45 033, 035, 036, 042, 043, 046, 048, 049 in den Jahren 1985 u. 1987. In den 70-er Jahren trugen sie die seitliche Aufschrift "Speisewagen", dies wurde in den 80-er Jahren in "Mitropa" geändert. Dabei entfielen auch die mehrsprachigen Beschriftungen oberhalb des Fensterbandes. Allerdings gab es einen Wagen, welcher bis zu letzt mit der Beschriftung "Speisewagen" aber ohne die mehrsprachige Beschriftung über den Fenstern lief.
Vier Wagen (024, 025, 033 u. 048) wurden bei der anstehenden Revision in den Jahren 1990/91 in Gotha wieder bordeauxrot lackiert, so zum Beispiel der 51 50 88-15 024-6 im Februar 1991. Die Städte-Express Speisewagen waren in Berlin-Lichtenberg beheimatet und wurden vom Bww Berlin-Lichtenberg unterhalten.

Buffetwagen

Im Werkteil Gotha des RAW Delitzsch wurden von 1985 bis 1988 im Rahmen einer Revision R4 insgesamt 25 Wagen zu Buffetwagen umgebaut. Dies waren alle 20 Wagen der ersten Serie sowie die Wagen 51 50 88-15 034-5, 037-8, 040-2, 045-1 und 047-7 der zweiten Serie. Dazu wurden die Tische und Sitzbänke ausgebaut und zwei Stehtische eingebaut. Die Gattungsbezeichnung änderte sich dadurch in Wrg, später in Wgr. Im Zuge des Umbaus erhielten die Wagen einen Anstrich in hellelfenbein am Fensterband und grünbraun im unteren Teil der Seitenwand, Längsträger und Stirnwände. Das Dach wurde rehbraun lackiert. Die Wagen 50 50 87-15 611-1 und 50 50 87-15 623-6 schieden zu DR-Zeiten unfallbedingt aus und wurden verschrottet.
Die Umbauliste der Buffetwagen finden Sie hier.

Bedeutung der Wagennummer

Ziffer Bedeutung
1.-2. 50
3.-4. 50
5.-6. 87
7.-8. 15

Bedeutung der Gattung

Bedeutung
W
g
r

Somit gab es von 1986 bis 1990 nur noch fünf Reko-Speisewagen in der ursprünglichen bordeauxroten Farbgebung. Dies waren die Wagen 51 50 88-15 032, 038, 039, 041 und 044.
Die Lieferliste der Speisewagen finden Sie hier, die Verbleibsliste hier.

(C) Gerald Sachs